Personalstrukturen neu gestalten
Workshop des Stifterverbandes und des Wissenschaftsrats
Dokumentation der Veranstaltung vom 19./20. Januar 2026 in Berlin
Impulse des Wissenschaftsrats für ein zukunftsfähiges
Wissenschaftssystem in der Umsetzung
Als im Zuge der geplanten Novellierung des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes im Jahr 2023 die Kritik an der Befristungs- und Beschäftigungspraxis im Wissenschaftssystem lauter wurde, entschied der Wissenschaftsrat (WR), sich jenseits der strittigen Befristungsfrage mit der Personalstruktur in der Wissenschaft und dem daraus resultierenden Reformbedarf zu befassen. Im Juli 2025 veröffentlichte er schließlich das Positionspapier "Personalstrukturen im deutschen Wissenschaftssystem". Dieses sorgte für ein breites Echo in der Wissenschaftslandschaft – darauf gilt es jetzt aufzubauen. Unter dem Titel "Personalstrukturen neu gestalten: Impulse des Wissenschaftsrats für ein zukunftsfähiges Wissenschaftssystem in der Umsetzung" kamen Mitte Januar 2026 auf Einladung des Stifterverbandes und des Wissenschaftsrats rund 80 Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft sowie Bundes- und Landespolitik zu einem zweitägigen Workshop in Berlin zusammen, um über konkrete nächste Schritte zu beraten.
"Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, um ins Handeln zu kommen. Denn wir befinden uns in einem umfassenden Transformationsprozess, in dem die Wissenschaft eine besondere Rolle spielt", erklärte Marte Sybil Kessler, Mitglied der erweiterten Geschäftsleitung des Stifterverbandes und Co-Leiterin der Abteilung "Programm und Förderung", zum Auftakt der Veranstaltung. An Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen würden die für die Transformation notwendigen Kompetenzen ausgebildet, neue Lösungen entwickelt und Forschungsergebnisse in Wertschöpfung überführt. "Deshalb ist es wichtig, jungen Talenten ideale Bedingungen zu bieten, um den Wissenschaftsbetrieb für sie attraktiv zu gestalten", sagte sie.
Zum Auftakt präsentierte Prof. Dr. Birgit Spinath, Vorsitzende des WR-Ausschusses "Tertiäre Bildung", die zentralen Punkte des Positionspapiers. Das darin vorgestellte Personalstrukturmodell sieht vier Stellenkategorien (S 1-4) vor, jeweils für wissenschaftliche als auch für wissenschaftsnahe Aufgabenprofile und zwischen Daueraufgaben und Qualifizierungsphasen unterscheidend. "Hochschulen müssen spezifische Personalstrukturkonzepte auf Grundlage ihrer Strategie- und Entwicklungsplanungen ausarbeiten und diese umsetzen. Dabei müssen Personal- und Organisationsentwicklung Hand in Hand gehen", sagte sie. Stellenausschreibungen für Postdoc-Positionen ähnelten bislang häufig einer Blackbox, da unklar sei, welche Aufgaben konkret übernommen werden sollen. Künftig sollten daher bereits zwei bis drei Jahre nach der Promotion – und damit deutlich früher als bislang – Entscheidungen über den Verbleib und die weitere Entwicklung im Wissenschaftssystem getroffen werden. "Die Professur ist nicht die einzige sinnvolle Zielposition im System. Es gibt Alternativen sowohl innerhalb als auch außerhalb wissenschaftlicher Einrichtungen“, betonte sie. Befristete Verträge nach der Promotion und jenseits von befristeten Projektfinanzierungen sollen künftig eher eine seltene, wohlbegründete Ausnahme als die Regel sein. Für Daueraufgaben sollen mehr unbefristete Beschäftigungsverhältnisse geschaffen werden, um Expertise langfristig zu entwickeln und zu binden – etwa in den Bereichen IT, Infrastrukturen und Wissenschaftsmanagement. "Unser Ziel ist eine hohe Leistungsfähigkeit des Wissenschaftssystems", sagte sie. Dafür müssten die Rahmenbedingungen attraktiver gestaltet werden.
Wie dies gelingen kann, diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zwei Tage lang in Workshops. Zusätzlich erhielten sie inhaltlichen Input in zwei Panels. Deutlich wurde, dass weniger die Plausibilität der Befunde und Empfehlungen des Wissenschaftsrats und des von ihm konstatierten Reformbedarfs im Fokus standen, sondern vor allem die Umsetzung moderner Personalstrukturen – und die damit verbundenen Herausforderungen, etwa bei der Einführung von Tenure-Track-Stellen oder Department-Strukturen anstelle klassischer Lehrstühle, um Personal neben der Professur ein größeres Maß an Selbstständigkeit zu gewährleisten.
Diskutiert wurden unter anderem Zuständigkeiten zwischen Hochschulleitungen und den dezentralen fachlichen Einheiten, Haushalts- und Rechtsfragen, Anforderungen an die Bundes- und Landespolitik sowie (tarifliche) Finanzierungsfragen bei der Neugestaltung der Personalstrukturen. Auch Kriterien und Definitionen für Stellenprofile spielten eine zentrale Rolle. „Die Veranstaltung hat gezeigt, dass bei der Reform der Personalstrukturen an Hochschulen und außeruniversitären Einrichtungen bereits viel passiert ist. Nun gilt es, voneinander zu lernen und stärker in die Umsetzung zu kommen“, bilanzierte Marte Sybil Kessler. Der Stifterverband werde hierfür ab Herbst 2026 eine Peer-to-Peer-Strategieberatung anbieten. Ziel sei es, Hochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen bei der Weiterentwicklung ihrer Personalstrukturen durch den Austausch mit reformerfahrenen Einrichtungen zu unterstützen.
Der Workshop wurde vom Wissenschaftsrat in Kooperation mit dem Stifterverband veranstaltet.