Einig war sich die Runde über die Bedeutung des Papiers. "Das Positionspapier ist ein wichtiger Schritt. Ziel ist nun, ein transparentes und soziales System zu entwickeln, das auf der einen Seite Planbarkeit bietet, auf der anderen Seite Exzellenz fördert und kreative Freiräume für die Wissenschaft schafft", sagte Susanne Bowen, Staatssekretärin im Ministerium für Wissenschaft, Kultur, Bundes- und Europaangelegenheiten des Landes Mecklenburg-Vorpommern. In ihrem Bundesland hätten bereits erste Hochschulen Personalstrukturkonzepte entwickelt. Die Staatssekretärin warb für diverse Foren, um voneinander zu lernen und gemeinsam mit der Bundes- und Länderseite die Rahmenbedingungen für eine Personalstrukturreform weiterzuentwickeln.
Aus Sicht Thüringens erklärte der Staatssekretär im Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur, Prof. Dr. Steffen Teichert, die Politik nehme diese Rolle bereits wahr. "Die Politik kann keine Wege vorgeben, wie die Hochschulen vorzugehen haben, sondern könne diese in ihren einrichtungsbezogenen Strategieentwicklungen vor allem unterstützen", sagte er. Die Hochschulen würden dabei von unterschiedlichen Startpunkten beginnen: Die Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW) in Thüringen seien etwa bei der Umsetzung von Department-Strukturen schon einen Schritt weiter und dabei sehr erfolgreich.
Für die Seite des Bundes warb Ministerialdirektor Jochen Zachgo, Leiter der Abteilung W (Wissenschafts- und Forschungssystem, Talente) im Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt, dafür, den Hochschulen ausreichend Freiheiten in der Umsetzung zu lassen. "Ob wir erfolgreich sein werden, entscheidet sich daran, ob Deutschland in der Lage ist, kluge Köpfe zu gewinnen und als Hochschulstandort attraktiv zu bleiben", sagte er. Dafür sei ein anspruchsvoller Weg zu gehen, doch der Aufbruch sei spürbar.
Den Schlüssel für den Reformprozess sieht Prof. Dr. Walter Rosenthal bei den Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen. "Sie tragen die Verantwortung dafür, dass die Karrierewege neu geordnet werden", sagte der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz. Entscheidende Faktoren für eine Weiterentwicklung der Personalstrukturen seien mehr Transparenz in den Besetzungsverfahren, mehr Selbstständigkeit von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie eine frühe Weichenstellung in der Karriereplanung. Hinsichtlich der Frage, ob Quotenregelungen bei der Erhöhung von Dauerstellen hilfreich seien, äußerte er sich kritisch: "Die Hochschulen müssen Dauerstellen nach ihrem eigenen Bedarf einrichten, diese aber in einem kompetitiven und offenen Auswahlprozess vergeben", betonte er. Zusätzlich brauche es beim Thema Personalentwicklung einen Kulturwandel an den Hochschulen: "Personalentwicklung hat in der Wissenschaft keinen guten Ruf. Sie ist aber wichtig, auch um transparent Entwicklungsperspektiven innerhalb und außerhalb der Wissenschaft aufzuzeigen", sagte Walter Rosenthal.
Der Wissenschaftsrats-Vorsitzende Prof. Dr. Wolfgang Wick betonte, das deutsche Wissenschaftssystem benötige differenzierte und kompetitive Personalstrukturen, um attraktiv für die Besten zu sein und um gleichzeitig die Leistungsfähigkeit der wissenschaftlichen Einrichtungen zu erhöhen. "Einrichtungsbezogen müssen die Personalbedarfe nach den Profilen und Aufgaben ausgerichtet werden. Eine 'One-size-fits-all'-Lösung kann nicht das Ziel dieser Reform sein", sagte er. Stattdessen sollten wissenschaftliche Einrichtungen ihre eigenen Schwerpunkte entlang der vom WR vorgeschlagenen vier neuen Stellenkategorien S 1-4 setzen können. "Dadurch erhöhen wir die Transparenz und steigern die Mobilität und Durchlässigkeit zwischen den verschiedenen Sektoren, etwa in die Wirtschaft", sagte Wolfgang Wick.
Für den Stifterverband erinnerte Andrea Frank, stellvertretende Generalsekretärin und Mitglied der Geschäftsführung, daran, dass in den kommenden zehn Jahren rund 30 Prozent aller Professuren neu besetzt werden müssten und daher ein großer personeller Umbruch im System bevorstehe. "Die Personalstrukturen müssen verlässlicher, transparenter und international wettbewerbsfähiger werden", sagte sie. In einer Befragung des Stifterverbandes aus dem Jahr 2024 hätten zwei Drittel der befragten Hochschulleitungen angegeben, dass die Themen Personalstrukturplanung und -politik ganz oben auf ihrer Agenda stünden. "Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, gemeinsam ins Handeln zu kommen, gute Konzepte erfolgreich umzusetzen und Best-Practice-Wissen zu teilen", erklärte sie.
Text: Benjamin Haerdle
Fotos: Jürgen Aloisius Morgenroth