Prof. Dr. Jutta Günther, Rektorin der Universität Bremen, bezeichnete das vom WR vorgeschlagene Personalstrukturmodell als "wichtiges Rahmenkonzept für die gesamte Wissenschaft". Als generisches Modell biete es Orientierung, müsse jedoch einrichtungsspezifisch ausgestaltet werden. "Jede Einrichtung wird für sich entscheiden müssen, wie sie das Modell in der eigenen Institution am besten umsetzt", sagte sie. Die Universität Bremen sei dabei bereits erste Schritte gegangen. Nachdem die Positionen der Researcher und Lecturer, die nach der Promotion selbstständig forschen und lehren, im Jahr 2018 im Landeshochschulgesetz verankert worden seien, hätten die Fachbereiche inzwischen rund 25 Stellen besetzt, davon zehn als Tenure Track. Voraussetzung dafür seien allerdings Personalstrukturkonzepte in den jeweiligen Fachbereichen gewesen, um die Stellen sinnvoll in die jeweiligen Organisationseinheiten einzubetten. Dem seien intensive Diskussionen zwischen Hochschulleitung und Fachbereichen vorausgegangen.
Andere Rahmenbedingungen gelten für die Hochschulen für Angewandte Wissenschaften und Fachhochschulen (HAW/FH), die Prof. Dr. Jörg Bagdahn, HAW/FH-Sprecher in der Hochschulrektorenkonferenz, vertrat. "An den meisten HAW/FH gibt es keinen dauerbeschäftigten akademischen Mittelbau", sagte er. Zudem unterschieden sich die Karrierewege deutlich von denen der Universitäten. Der Berufung auf eine Professur an einer HAW/FH gehe eine mindestens dreijährige, fachlich einschlägige Tätigkeit außerhalb der Hochschule voraus. Da die HAW/FH seit einigen Jahren zunehmend mehr Drittmittel einwerben würden, bestehe die Herausforderung, die eingeworbenen Mittel für unbefristete Beschäftigungen zu nutzen. In Sachsen-Anhalt, wo Jörg Bagdahn als Rektor an der Spitze der Hochschule Anhalt steht, könne er 20 Prozent der eingeworbenen Drittmittel für Dauerstellen nutzen. "Rund 30 Personen, die bei uns für Forschungsinfrastrukturen verantwortlich sind, sind entfristet", berichtete er.
Die Institute der Fraunhofer-Gesellschaft stellen jedes Jahr mehr als 3.000 neue Beschäftigte ein. "Deshalb müssen wir diese Menschen auf ihrem Karriereweg begleiten und transparent vermitteln, was wir ihnen anbieten können", sagte Elisabeth Ewen, Vorständin für Personal, Unternehmenskultur und Recht. Notwendig seien dafür nicht nur ein professionelles und transparentes Recruiting, um passende Beschäftigte zu gewinnen, sondern auch individuelle Personalentwicklungsmaßnahmen. "Wir sollten jungen Menschen verlässlich sagen, welche Kompetenzen sie innerhalb eines klar definierten Zeitraums erwerben können", sagte sie.
Hohe Erwartungen an die Umsetzung des WR-Papiers äußerte Dr. Andreas Keller, Mitglied des Geschäftsführenden Vorstands und Leiter des Vorstandsbereichs Hochschule und Forschung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Er konstatierte eine "große Übereinstimmung" der GEW-Vorschläge mit der Analyse und den Empfehlungen des Wissenschaftsrats – etwa in der Unterscheidung zwischen Dauer- und Qualifizierungsaufgaben, dem Votum für Dauerstellen bei Daueraufgaben, der Abkehr vom Lehrstuhlprinzip und der damit einhergehenden Einführung von Departments. Zugleich sah er jedoch "Nachschärfungspotenzial". So sei insbesondere die Umsetzung eines Übergangs von befristeten zu unbefristeten Beschäftigungsverhältnissen bei den S 2-Stellen noch unklar - also Stellen mit Aufgaben für anerkannte, in der Regel promovierte oder für im wissenschaftsnahen Bereich berufserfahrene Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Zudem bewertete er die Rolle, die der WR Bund und Ländern zuschreibe, als "zu defensiv": "Bund und Länder sollten einen klaren Rahmen vorgeben, um durch Gesetzesreformen oder durch die Abschaffung des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes Veränderungen zu initiieren", forderte er.
Für den Wissenschaftsrat erklärte Prof. Dr. Birgit Spinath, Vorsitzende des Ausschusses Tertiäre Bildung, es sei wichtig, dass möglichst viele Wissenschaftseinrichtungen ihre Personalstrukturen umgestalteten. "Je mehr Institutionen dies umsetzen, desto größer ist die Mobilität innerhalb des Wissenschaftssystems – und desto mehr profitiert der Hochschulstandort Deutschland davon", sagte sie. Jede Einrichtung, die sich beteilige, gewinne zudem einen Attraktivitätsvorteil im Wettbewerb um Fachkräfte.
Text: Benjamin Haerdle
Fotos: Jürgen Aloisius Morgenroth